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Vom Münzhandel zur Filialleitung

Karina Le Grand über ihren ungewöhnlichen Karriereweg, moderne Führung und den Standort Frankfurt

Karina Le Grand leitet seit einem Jahr die Frankfurter Niederlassung des österreichischen Edelmetallhändlers philoro. Dabei begann ihre Karriere in der Branche eher zufällig. Von der kaufmännischen Ausbildung über den Münzhandel bis hin zur Führung einer der erfolgreichsten philoro-Filialen Deutschlands: Le Grand hat sich ihren Karriereweg Schritt für Schritt erarbeitet. Ein Gespräch über ihren Weg zur Führungskraft, die Bedeutung von Vertrauen und darüber, warum Frankfurt für sie das Herz Europas ist.

© philoro EDELMETALLE.

Wirtschaftsförderung Frankfurt: Frau Le Grand, Sie sind heute Filialleiterin bei philoro EDELMETALLE Frankfurt. War das immer Ihr berufliches Ziel?

Karina Le Grand: Nein, überhaupt nicht. Ich habe drei Söhne großgezogen und da standen natürlich erst einmal die Kinder im Mittelpunkt. Karriere war damals nicht das große Thema. Tatsächlich bin ich eher zufällig in die Branche gekommen. Eine gute Freundin sagte damals zu mir: „Das ist dein Ding. Probier das aus.“ So bin ich bei einem Frankfurter Münzhändler gelandet. Ich komme ursprünglich aus dem kaufmännischen Bereich und habe schon immer gerne mit Zahlen gearbeitet. Und dort hat mich das Thema sofort gepackt.

Was hat Sie daran so fasziniert?

Die Geschichten dahinter. Natürlich geht es um Werte und Anlagen, aber ich habe mich besonders für historische Münzen begeistert. Da hält man eine Münze in der Hand, die vielleicht schon 200 Jahre alt ist, und denkt sich: Wenn die nur sprechen könnte. Wo war sie überall? Wer hat sie einmal besessen? Das hat mich wirklich fasziniert.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe drei Jahre beim Münzhändler gearbeitet und viel gelernt. Irgendwann wollte ich mich weiterentwickeln und bin zu philoro gewechselt. Hier konnte ich alles einbringen, was ich gelernt hatte. Ich habe Gas gegeben, mich weitergebildet und intensiv mit Kundenberatung, Vermarktung und verschiedenen Anlageformen beschäftigt. 

Vor einem Jahr wurde eine neue Filialleitung gesucht. Die Geschäftsführung kam auf mich zu und sagte: „Wir glauben, dass die beste Besetzung aus den eigenen Reihen kommen sollte. Wir glauben du bist die Richtige dafür.“ Ich muss ehrlich sagen: Manchmal fühlt sich das heute noch ein bisschen verrückt an – es war ein Kampf hier sitzen zu dürfen. Wenn jemand „Chefin“ zu mir sagt, dann muss ich immer noch schmunzeln.

Sie führen heute ein Team in einer Branche, die oft von Männern geprägt wird. Was macht Sie als Führungskraft aus?

Mir ist es wichtig, authentisch zu sein. Ich bin so, wie ich bin. Gegenüber Kunden genauso wie gegenüber meinem Team. Ich brauche keine Maske.

Und ich sehe mich als Teil des Teams. Klar habe ich eine Führungsposition. Aber wenn jemand frei braucht oder vorne Unterstützung nötig ist, dann gehe ich eben selbst an den Schalter. Ich habe mich hochgearbeitet und weiß, wie der Arbeitsalltag aussieht.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Ich bin ein sehr harmonieliebender Mensch. Ich habe drei Söhne großgezogen und wir sind irgendwie zusammen erwachsen geworden. Da lernt man Geduld. Und man lernt, dass Menschen nicht jeden Tag gleich funktionieren.

Mir ist wichtig, dass die Leute gerne zur Arbeit kommen. Fehler passieren. Wir sind keine Maschinen oder Computer. Für mich ist wichtiger zu verstehen, warum etwas passiert ist und wie wir verhindern können, dass es noch einmal passiert, als jemanden zu fragen: „Warum hast du das gemacht?“

Wenn jemand zu mir kommt und sagt: „Das ist schiefgelaufen“, dann finden wir gemeinsam eine Lösung. Vertrauen und Respekt sind die Grundlage für erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die Frankfurter philoro-Filiale feiert in diesem Jahr ihr fünfjähriges Jubiläum. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Eine große. Die Filiale hat sich hervorragend entwickelt. Wir schreiben sehr gute Zahlen und gehören zu den erfolgreichsten Standorten im Unternehmen.

Man darf nicht vergessen: Frankfurt ist kein einfacher Markt. Denn hier sitzen Banken, Vermögensverwalter und viele Wettbewerber. Deshalb freue ich mich besonders über diese Entwicklung. Und deshalb wollen wir unser Jubiläum auch wirklich feiern. Es wird keine Flipcharts geben und keine Vorträge darüber, wie der Goldpreis vor fünf Jahren stand. Wir wollen unsere Gäste feiern, die Filiale feiern und einfach einen schönen Abend miteinander verbringen.

Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?

Mein persönliches Erfolgsrezept ist eigentlich ganz einfach: Ich versetze mich in die Lage des Kunden und frage mich: Was würde ich selbst machen? Ich behandle das Geld meiner Kunden so, als wäre es mein eigenes.

Wenn jemand sein hart erarbeitetes Geld zu uns bringt, dann trägt man Verantwortung. Es geht nicht darum, den maximalen Umsatz zu erzielen, sondern den Wert des Geldes langfristig zu sichern und idealerweise zu erhöhen.

Das schönste Kompliment ist für mich, wenn jemand Jahre später zurückkommt und sagt: „Das war die richtige Entscheidung.“

Frankfurt gilt als Finanzhauptstadt Deutschlands. Welche Rolle spielt der Standort für philoro?

Eine sehr wichtige. Wer in der Finanzwelt erfolgreich sein möchte, kommt an Frankfurt kaum vorbei. Hier sitzen Banken, Finanzdienstleister und viele Anleger. Gleichzeitig ist Frankfurt international vernetzt und hervorragend erreichbar. Für ein Unternehmen wie philoro sind das ideale Voraussetzungen.

Auch wir haben Kollegen mit ganz unterschiedlichen Wurzeln. Das ist für uns völlig normal. Frankfurt ist eine internationale Stadt. Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern kommen hier zusammen. Das merkt man auch bei unseren Kunden. Diese Offenheit gehört für mich einfach zu Frankfurt dazu.

Was schätzen Sie am Standort Frankfurt?

Für mich ist Frankfurt das Herz Europas. Geografisch sowieso. Aber es ist auch ein Tor zur Welt. Ohne Frankfurt würde die Welt ein Stück anders aussehen. Hier kommen Menschen, Unternehmen und Ideen aus allen Richtungen zusammen.

Und ich mag die Vielfalt der Stadt. Hier haben ganz unterschiedliche Menschen die Chance, ihren Weg zu gehen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung erlebt?

Sehr positiv, meine Kollegin Denise Ballerini hat den Kontakt zu Anna Stepanenko aus dem Team für internationale Ansiedlungen hergestellt und seitdem sind wir regelmäßig im Austausch. Was mich beeindruckt hat: Während man mit ihr spricht, hat sie schon die nächsten Ideen im Kopf. Man erzählt ihr etwas und sie denkt direkt weiter, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben könnten.

Über Veranstaltungen und Netzwerke sind viele Kontakte entstanden. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das früher unterschätzt. Von außen schaut man auf solche Veranstaltungen und denkt sich: Warum machen die das eigentlich? Erst seit ich die Filialleitung übernommen habe, habe ich verstanden, wie wichtig dieses Networking tatsächlich ist. 

 

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Le Grand!

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Team-Mitglied Anna Stepanenko

Anna Stepanenko
Projektleiterin Kompetenzzentrum Europa, MENA, Türkei, Lateinamerika

+49 69 212 40787
anna.stepanenko(at)frankfurt-business.net