Herr Dr. Kößler, Sie sind seit Ende August Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent der Stadt Frankfurt. Was hat Sie in Ihren ersten Wochen im Amt besonders positiv überrascht?
Es hat mich gefreut, wie offen und direkt die Vertreter der Wirtschaft gleich auf mich zugekommen sind. Vom Handwerksbetrieb über die Gewerbevereine bis zum Finanzplatz: Viele wollen mitgestalten und bringen konkrete Anliegen mit. Das Amt des Bürgermeisters öffnet dabei Türen weit über die klassische Wirtschaftspolitik hinaus. Diese Brücke will ich nutzen, denn eine starke Wirtschaft und eine lebendige Stadtgesellschaft bedingen einander.
Frankfurt steht für Internationalität, Finanzplatz und Innovation. Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen für den Wirtschaftsstandort?
Frankfurt verbindet Standortfaktoren wie kaum eine andere Stadt in Deutschland: den Finanzplatz, die Messe, eine starke Industrie, leistungsfähiges Handwerk und Gewerbe sowie unsere Rolle als Drehkreuz für Logistik, Verkehr und Daten. Diese Stärken wollen wir sichern und ausbauen. Die größte Chance sehe ich darin, Frankfurt noch stärker zur Gründerstadt zu machen und mehr digitale Unternehmen anzuziehen. Sie treiben Innovationen voran und schaffen die Arbeitsplätze von morgen. Dafür wollen wir Verfahren beschleunigen, Flächen verfügbar machen und mit gezielter Förderung dort ansetzen, wo sie den größten Unterschied macht.
„Frankfurt soll noch stärker zur Gründerstadt werden. Dafür wollen wir Verfahren beschleunigen, Flächen verfügbar machen und gezielt fördern.“
Die EXPO REAL 2026 steht vor der Tür. Welche Schwerpunkte setzen Sie bei den Themen Gewerbeflächen, Büroimmobilien und Stadtentwicklung?
Frankfurt tritt auf dieser Immobilienmesse gemeinsam mit der Metropolregion Frankfurt RheinMain auf. Das ist wichtig, denn Investoren denken regional und nicht in Stadtgrenzen. Unsere Botschaft: Wir sind offen für Investitionen und für Unternehmen ein verlässlicher Partner. Für die Stadtpolitik sind mir drei Punkte wichtig: Die Gewerbeflächen für Handwerk, produzierendes Gewerbe und Logistik müssen gesichert und die schleichende Verdrängung gestoppt werden. Beim Büromarkt gilt es, den Wandel zu gestalten: Umnutzungen oder Revitalisierungen sollten leichter möglich werden. Drittens: lebendige Erdgeschosszonen. Das Leerstandsmanagement unserer Wirtschaftsförderung liefert Echtzeitdaten zu gewerblichen Erdgeschossflächen und hilft, Leerstand schneller zu beheben. Bei all diesen Themen wollen wir eng mit der Stadtplanung zusammenarbeiten.
Frankfurt lebt auch von seinen vielfältigen Stadtteilen und deren Gewerbestrukturen. Wie möchten Sie die wirtschaftliche Entwicklung in den Stadtteilen stärken und lokale Unternehmen, den Einzelhandel und Gewerbestandorte vor Ort unterstützen?
Ordnung, Sauberkeit und gute Erreichbarkeit: Das sind die zentralen Anliegen der Gewerbetreibenden in unseren Stadtteilen. Hier will die neue Stadtregierung schnell spürbare Verbesserungen erreichen. Zugleich unterstütze ich die Initiative „Heimat shoppen“ der IHK Frankfurt, damit die Frankfurter wieder mehr vor Ort einkaufen und sich über den Wert dieser Möglichkeit bewusst werden. Mit den Gewerbevereinen stehen wir in engem Austausch und unterstützen, wo immer möglich, Feste und Aktionen, die Menschen in die Stadtteile bringen. Mittelfristig entwickeln wir mit der Wirtschaftsförderung ein Konzept „Lebendige Innenstadt“, das auch die Zentren der Stadtteile in den Blick nimmt.
Welche Rolle kann die Wirtschaftsförderung bei der Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts spielen?
Eine sehr große: Die Wirtschaftsförderung erkennt Entwicklungen und Trends früh und weiß, wie sich Frankfurts Stärken am besten zur Geltung bringen lassen. Sie holt neue Unternehmen an den Standort, hilft dort, wo Betriebe Unterstützung brauchen, und kennt freie Flächen ebenso wie die Potenziale der verschiedenen Branchen und Märkte. Sie entwickelt sich auch selbst im Takt der Wirtschaft immer weiter und kann für Interessenten so konsequent Ansprechpartner auf Augenhöhe sein. Vor allem aber kennt sie die Stadt und ihre Stadtteile genau. Damit ist sie Mittlerin zwischen Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft.
Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen, Herr Dr. Kößler. Wir freuen uns sehr auf die gemeinsame Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihrem Team.
Foto © Tobias Koch